In einer ruhigen Ecke der Kleinstadt Fulda, wo alte Fachwerkhäuser neben modernen Hochhäusern stehen, spielte sich eine Drama ab, das selbst die Klassiker beeindruckt hätte. Helga Werner, eine Frau mit schwerem Blick und der Last vieler Jahre, beschloss, ihre Schwiegertochter Lena zu besuchen. Diese lebte mit ihrem Sohn Markus in einer kleinen, aber gemütlichen Wohnung am Stadtrand. Was als harmlose Teestunde begann, entwickelte sich zu einem Ereignis, das niemand so schnell vergessen würde.
Helga betrat die Wohnung mit ihrer gewohnten Autorität. Ihre Schritte hallten durch den schmalen Flur, während ihre Augen jeden Winkel musterten. Lena, eine jung gebliebene Frau mit freundlichem Lächeln, aber angespannten Schultern, begrüßte ihre Schwiegermutter mit versteckter Nervosität. Sofort bot sie Tee an – ein altes Ritual, um das Unbehagen zu mildern. Helga setzte sich, ohne ihren strengen Mantel abzulegen, an den Tisch. Der Teekessel summte leise, und in der Luft lag eine Ahnung von Unheil. Das Gespräch begann mit belanglosen Themen: das Wetter, die Gesundheit, Nachbarn. Doch jede Phrase klang wie eine gespannte Saite, bereit, beim kleinsten Druck zu reißen.
Plötzlich erbleichte Helga. Ihre Hand zitterte, und etwas Tee tropfte auf die Tischdecke. *“Lena… mir ist nicht gut. Kann ich mich kurz hinlegen?“*, fragte sie mit schwacher, fast flehender Stimme. Verwirrt nickte Lena. *“Natürlich, Helga, kommen Sie.“* Sie half ihr ins Schlafzimmer, wo ein großes Bett mit ordentlich gebetteter Decke stand. Lenas Herz schlug schneller – sie spürte, dass dieser Tag alles verändern würde.
Während Helga schwer atmend dalag, lief Lena ruhelos durch die Wohnung. Sie griff zum Telefon, um einen Notarzt zu rufen, doch dann zögerte sie wieder. Was, wenn es ernst war? Was, wenn sie versagte? Irgendwann bemerkte sie, dass Helga sie trotz ihrer Schwäche aufmerksam unter halb geschlossenen Lidern beobachtete. Dieser Blick, voller versteckter Bedeutung, ließ Lena erschaudern. Was verbarg diese Frau? Warum war sie heute gekommen?
Die Stunden zogen sich dahin. Langsam schien es Helga besser zu gehen. Sie bat um Wasser und begann dann, völlig unerwartet, von der Vergangenheit zu erzählen. *“Weißt du, Lena, ich war nicht immer so streng. Das Leben hat mich so gemacht. Früher habe ich geliebt, wie du Markus liebst. Doch alles zerbrach, wie die Tasse, die du in der Küche fallen ließest.“* Lena erstarrte. Sie hatte keine Tasse fallen lassen. Aber die Worte ihrer Schwiegermutter, gesprochen mit erschreckender Gewissheit, säten Zweifel in ihr. War das eine Andeutung? Eine Drohung? Oder nur das Spiel eines kranken Geistes?
Am Abend bestand Helga darauf, nach Hause zu gehen. Erschöpft von dem Tag widersprach Lena nicht. Sie rief ein Taxi und brachte Helga hinaus, spürte,